Coronavirus: Sexuelle Minderheiten besonders anfällig für Ansteckung

Experten nennen drei Gründe, warum die Community besonders gefährdet ist

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Sexuelle Minderheiten sollten zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen treffen, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden. Dazu ruft das New Yorker National LGBT Cancer Network in einem offenen Brief auf, der mittlerweile von mehr als hundert LGBTI-Organisationen in den USA unterzeichnet wurde.

Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Interpersonen für eine Corona-Ansteckung „besonders anfällig“

Mit dem Brief wollen die Organisatoren die US-Gesundheitsbehörden, Angehörige der Gesundheitsberufe und Medien dafür sensibilisieren, dass sexuelle Minderheiten in den USA für eine Ansteckung mit dem Coronavirus „besonders anfällig seien“. Dafür machen sie drei Gründe verantwortlich, von denen zwei auch bei uns gelten.

Erstens rauchen Angehörige sexueller Minderheiten zu 50 Prozent häufiger als Heterosexuelle – und das vom Virus verursachte COVID-19 ist eine Atemwegserkrankung. Rauchen und vermutlich auch die Verwendung von E-Zigaretten verringere die Immunität gegen Atemwegserkrankungen, und die Genesung von diesen Krankheiten dauere länger, warnen die LGBTI-Organisationen.

Wer von seiner HIV-Infektion nicht weiß, ist stärker gefährdet als der Durchschnitt

Der zweite Grund: Unter Angehörigen sexueller Minderheiten gebe es eine höhere Rate an Krebs und HIV – das kann das Immunsystem der Betroffenen beeinträchtigen. Das betreffe vor allem jene LGBTI-Personen, die noch nichts von ihrer HIV-Infektion wüssten oder diese nicht richtig behandelten.

HIV-Positive, deren Viruslast nicht nachweisbar sei, hätten den Experten zufolge vermutlich kein höheres Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren – für genauere Angaben fehlen noch aussagekräftige Daten.

In den USA haben sexuelle Minderheiten auch einen schwierigeren Zugang zum Gesundheitssystem

In den USA kommt als dritter Grund noch dazu, dass LGBTI-Personen beim Zugang zur Gesundheitsversorgung eher mit Hindernissen konfrontiert werden. So gebe es auch unter Medizinern noch immer häufig diskriminierende Einstellungen.

Dadurch würden Angehörige sexueller Minderheiten häufig einen Arztbesuch hinausschieben. Auch Diskriminierung am Arbeitsplatz und Obdachlosigkeit unter queeren Menschen würden in den USA zu einem erschwerten Zugang zur Gesundheitsversorgung sorgen, heißt es in dem offenen Brief.

Damit die Risiken für Angehörige sexueller Minderheiten in den USA minimiert werden könnten, fordern die Organisatoren des Briefs gezielte Kampagnen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, Schulung des Gesundheitspersonals zur gleichberechtigten Versorgung von LGBTI-Personen und die Zusammenarbeit mit LGBTI-Gesundheitsorganisationen.

Das aktivere Sexualverhalten der Community erwähnen die Experten nicht

Keine Erwähnung in dem offenen Brief findet das aktivere Sexualverhalten, das vor allem schwule und bisexuelle Männer an den Tag legen. Denn dabei wird der erforderliche Mindestabstand logischerweise nicht eingehalten. Dating-Apps wie Grindr oder Romeo warnen deshalb ihre User in verschiedener Intensität

Auch Massenveranstaltungen, die in den letzten Wochen stattgefunden haben, könnten nun gefährlich werden: Bei einigen Besuchern eines Fetisch-Festivals Anfang März in Antwerpen wurde bereits der Corona-Virus festgestellt – eine Ausbreitung auf weitere Besucher kann nicht ausgeschlossen werden.