Gloria Viagra kandidiert für das Berliner Abgeordnetenhaus

„Hauptstadtrepräsentranse“ auf der Liste der Linken

Brandenburger Tor
Groman123/Flickr - CC BY-SA 2.0

Am 26. September wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Eine außergewöhnliche Kandidatin findet sich dabei auf der Kandidat:innenliste der Berliner Linken auf Platz 34: Mit der Drag Queen Gloria Viagra geht ein Berliner Szene-Urgestein in die Landespolitik.

„Ein bisschen Glitter hat noch keinem geschadet“

„Ein bisschen Glitter hat noch keinem geschadet“, so Gloria Viagra bei ihrer Bewerbungsrede auf der Landesvertreter:innenversammlung der Linken Ende April. „Die Erfahrung von Ausgrenzung, die ‚Schwuli, Schwuli‘-Rufe auf dem Schulhof, das hat mich geprägt. Und das hat mich aber auch empathisch werden lassen für Andere mit Ausgrenzungserfahrung“, erklärt die 55-Jährige.

Ihre Kandidatur als „Hauptstadtrepräsentranse“ habe deshalb auch symbolische Wirkung: „Wisst ihr, was es für einen jungen Queer vom Dorf bedeutet, dass man als Drag auf der Straße laufen kann und womöglich gar im Parlament ernst genommen wird und ernsthaft Politik machen kann?“

„Weder Kapitalismus noch das Patriarchat, nur die Revolution macht schön“

Sie wolle zeigen, „wie bunt diese Stadt Berlin ist“: Die Diversität der Stadt sei ihr Reichtum, „nicht Betongold und nicht Aktien“: „Weder Kapitalismus noch das Patriarchat, nur die Revolution macht schön“, beendete sie ihre Rede. Die Delegierten hat das offenbar überzeugt: Sie setzte sich mit 90,4 Prozent deutlich gegen ihren Mitbewerber Andreas Schreiber durch.

Zu ihren Unterstützern gehört auch der offen schwule Kultursenator Klaus Lederer, der für die Linken als Bürgermeisterkandidat in die Wahl geht. Er bezeichnete Viagra als „Urgestein der Berliner Polittunten“ und verglich sie unter anderem mit Harvey Milk, dem ersten offen schwulen Stadtrat von San Francisco. „Sie steht dafür, dass Politik auch Spaß machen kann und nicht nur verkniffen ist. Dass Politik mitten im Leben stehen und sich trotzdem für diejenigen engagieren kann, die keine Privilegien haben“, so Lederer über Gloria Viagra.

Die Chancen für Gloria Viagra, wirklich ins Berliner Abgeordnetenhaus zu ziehen, sind dabei eher gering: Derzeit haben die Linken dort 27 Sitze, aktuellen Umfragen zufolge würden sie davon noch einige verlieren. Zumindest der Kultursenator sieht bei der 55-Jährigen aber noch Potenzial nach oben:  Er hoffe, dass Viagra bei der nächsten Wahl in fünf Jahren „auch unter die ersten 24 Listenplätze“ komme.