Mehr als zwei Milliarden Dollar wert: Grindr will an die Börse

Doch Datenschutzprobleme könnten das Unternehmen noch viel Geld kosten

Grindr
Symbolbild - Montage: GGG.at

Die unter Schwulen und Bisexuellen beliebte Dating-App Grindr will an die Börse. Das hat das US-Unternehmen am Montag bekanntgegeben. Die Betreiberfirma, die eigenen Angaben zufolge auf 2,1 Milliarden Dollar (1,99 Milliarden Euro) bewertet wird, möchte damit 384 Millionen Dollar einnehmen. 

Mit dem Geld sollen „Möglichkeiten für die LGBTI-Community“ ausgebaut werden

Mit dem Geld will Grindr, das 2009 gegründet wurde, “die Möglichkeiten, die es der LGBTQ+-Community bietet, weiter ausbauen”, erklärt Grindr-Chef Jeff Bonforte. Was das genau bedeuten soll, ließ Bonforte nicht durchblicken. Man sei bereits jetzt profitabel, heißt es. 

Grindr, das sich selbst als “weltweit größte Social-Networking-App für Schwule, Bi-, Trans- und Queer-Personen” bezeichnet, hatte eigenen Angaben zufolge durchschnittlich 10,8 Millionen Nutzer pro Monat, die meisten von ihnen unter 35 Jahre alt. 

Grindr erwartet sich vom Börsengang bis zu 384 Millionen Dollar

Zur Vorbereitung auf den Börsengang will man sich mit der Special Purpose Acquisition Company (SPAC) Tiga Acquisition zusammenschließen. SPAC sollen von Investoren Geld einsammeln, um ein neues Unternehmen an die Börse zu bringen. Die behördliche Genehmigung für den Zusammenschluss steht noch aus, er ist für das zweite Halkbjahr geplant.  

Die Eigentümergeschichte von Grindr ist damit um ein weiteres Kapitel weiter: Im Jahr 2009 von Joel Simkhai gegründet, wurde die App 2016 um insgesamt 245 Millionen Dollar an die chinesische Gaming-Firma Beijing Kunlun Tech verkauft.  Diese wollte Grindr schon bald nach dem Erwerb an die Börse bringen.

Der chinesische Eigentümer galt für die USA als Sicherheitsrisiko

Allerdings musste die Firma Grindr 2020 um angeblich 600 Millionen Dollar unter dem Druck der US-Behörden verkaufen. Diese befürchteten, dass die sensiblen Daten von den chinesischen Geheimdiensten missbraucht werden könnten. 

Neuer Mehrheits-Eigentümer wurde eine bisher unbekannte Firma, hinter der nach Reuters-Recherchen “eine Gruppe von Unternehmern und Investoren aus der Technologie-, Medien- und Telekommunikationsindustrie” stehen soll. 

Unter ihnen auch der in China geborene US-Bürger James Lu, der auch im Vorstand der chinesischen Suchmaschine Baidu war. Diese hat ihren Erfolg auch ihrem Gehorsam gegenüber dem Regime in Peking zu verdanken 

Wegen seinem laschen Datenschutz ist Grindr immer wieder in der Kritik

Doch auch ohne Eingriffe durch Geheimdienste ist Grindr wegen seines laschen Umgangs mit Datenschutz immer wieder in der Kritik. So hatte die norwegische Datenschutzbehörde im Dezember eine Strafe in der Höhe von umgerechnet 6,4 Millionen Euro ausgesprochen, weil die App auch sensible Nutzerdaten mit Werbenetzwerken geteilt hat. Grindr hat gegen die Strafe berufen. 

Ein Verhalten, das bei Grindr offenbar System hat: Erst in der vergangenen Woche berichtete die New York Times, dass Grindr jahrelang private Nutzerdaten verkauft hat. Und bereits 2018 hatte in Deutschland die Stiftung Warentest aufgrund des laschen Datenschutzes vor der Verwendung von Grindr gewarnt