Mittwoch, 24. Juli 2024
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Segnung gleichgeschlechtlicher Paare: Jetzt spricht der Vatikan Klartext

Innerhalb der römisch-katholischen Kirche sorgte eine Erklärung des Vatikans, das auch gleichgeschlechtliche Paare gesegnet werden können, für Diskussionen. Während die Erklärung in Westeuropa positiv aufgenommen wurde, kam aus Osteuropa und Afrika Kritik. Nun äußert sich der Leiter der zuständigen Behörde erstmals öffentlich zu den innerkirchlichen Diskussionen.

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Kurz vor Weihnachten hatte das vatikanische Glaubensdikasterium in der Erklärung „Fiducia supplicans“ klargestellt, dass römisch-katholische Geistliche auch schwule und lesbische Paare segnen dürfen. Ein Schwenk um 180 Grad: Im Februar 2021 hatte die Behörde die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare noch explizit ausgeschlossen.

Segnung für Schwule und lesbische Paare, wenn die Zeremonie nicht mit einer Eheschließung verwechselt werden kann

Allerdings muss die Zeremonie außerhalb eines Gottesdienstes stattfinden und darf nicht mit einer Eheschließung verwechselt werden können. Das Dokument wurde in Rücksprache mit Papst Franziskus veröffentlicht – und beruft sich auch auf das Kirchenoberhaupt: Die Kirche habe zuletzt ihr Verständnis von dem, was ein Segen ist, im Licht der seelsorgerischen Ideale von Papst Franziskus „erweitert und angereichert“, so Kardinal Victor Fernandez, der Präfekt der Glaubensbehörde.

In Westeuropa sorgte die Erklärung für Freude: Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der auch Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz ist, hat die Bekanntgabe des Glaubensdikasteriums etwa „mit Freude aufgenommen“. Der burgenländische Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics kündigte sogar an, selbst gleichgeschlechtliche Paare segnen zu wollen.

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Widerstand gegen die Erklärung aus Osteuropa und Afrika

Doch in anderen Regionen, etwa in Osteuropa oder Afrika, gibt es Widerstand gegen die Erklärung aus Rom. So hat etwa die Bischofskonferenz von Nigeria klargestellt, in ihrem Land gebe es „keine Möglichkeit, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften oder Betätigungen zu segnen“. Dies würde „gegen Gottes Gesetz, die Gesetze unseres Landes, die Lehren der Kirche und das kulturelle Empfinden unseres Volkes gehen“.

Ähnlich auch die ungarische Bischofskonferenz in einer Erklärung, die kurz nach Weihnachten veröffentlicht wurde. Ein gemeinsamer Segen „bei Paaren, die in einer nichtehelichen Gemeinschaft, in einer kirchlich nicht gültigen Ehe oder in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben, müsse immer vermieden werden“, machten die Bischöfe in unserem Nachbarland klar.

Nun spricht der Chef der vatikanischen Glaubensbehörde Klartext

Nun äußerte sich Hernandez öffentlich zu den Spannungen, die die Erklärung seiner Behörde ausgelöst hat. In mehreren Interviews versuchte er, den Hintergrund und die Zielrichtung der Grundsatzerklärung über die Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare zu erklären.

So erschien etwa in der spanischen Tageszeitung ABC  ein Interview mit Hernandez, in dem er Verständnis für die Ablehnung der Segnung schwuler und lesbischer Paare durch verschiedene Bischofskonferenzen zeigte. Diese würden darauf hinweisen, dass solche Segnungen in ihren regionalen Kontexten nicht angebracht seien, so Hernandez.

Hernandez weist die Kritik vehement zurück

In diesen Kulturen würden die Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare „als Legitimierung irregulärer Verbindungen“ missverstanden werden, so der Glaubenspräfekt weiter. „Hinzu kommt, dass es in Afrika Gesetze gibt, die den bloßen Akt, sich als homosexuell zu bezeichnen, mit einer Haftstrafe ahnden; stellen Sie sich da eine Segnung vor.“

Allerdings weist Fernandez gleichzeitig Kritik an der Erklärung seiner Behörde vehement zurück. „Wenn ein Priester diese Segnungen spendet, ist er kein Häretiker“, betont er. Das Dokument bekräftige die kirchliche Lehre zu Ehe und Sexualität. 

Paare in „irregulären Situationen“ zu segnen bedeute weder, eine Zivilehe anzuerkennen, noch das Leben der Betroffenen gutzuheißen oder ihnen die Absolution zu geben. „Das ist nur die Antwort eines Hirten an zwei Personen, die um die Hilfe Gottes bitten“, so der Chefdogmatiker von Papst Franziskus.