Coronakrise bringt CSD-Saison in Gefahr

Gebanntes Abwarten in Berlin, Wien und Zürich

Gruppe auf der Regenbogenparade 2017
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Die Krise rund um das Coronavirus könnte auch erhebliche Auswirkungen auf die Pride-Saison haben. In Berlin prüfen die Veranstalter eine Absage oder eine Verschiebung des CSD, bei der Wiener Regenbogenparade übt man sich derweil in Zweckoptimismus.

In Berlin würde der geschätzte Höhepunkt der Corona-Infektion in die CSD-Saison fallen

Eigentlich soll der CSD Berlin dieses Jahr am 25. Juli stattfinden. Doch das kann sich bald ändern. „Wir beobachten die Lage weltweit sehr genau“, erklärte Vorstandsmitglied Ralph Ehrlich letzte Woche. Im Raum standen eine Verschiebung oder eine Absage. Das Organisationsteam sei in engem Kontakt mit den Behörden, so Ehrlich. „Von Behördenseite hieß es aber, dass der Peak wohl im Juli/August sein soll. Das würde uns treffen. Doch wenn man verschieben würde, an welchem Datum denn dann?“, sagte er dem Stadtmagazin blu.

Mittlerweile hat die Stadt Berlin ihre Maßnahmen gegen das Coronavirus verschärft: Am Wochenende wurden alle Cafés, Bars und Restaurants auf Anordnung geschlossen – Tage, bevor eine entsprechende Verordnung in Österreich in Kraft trat.

Die Hamburg Pride nimmt ihre Verantwortung ernst, will aber nicht spekulieren

Welche Auswirkungen das auf den Berliner CSD hat, der im Vorjahr eine Million Menschen auf die Straßen lockte, kann noch niemand sagen. Die Berliner Organisatoren betonten, sie seien mit anderen Paraden in Deutschland und in anderen Ländern in regem Austausch. Mit dem abgesagten Myfest und dem Karneval der Kulturen entfallen bereits zwei der bekanntesten und größten Straßenfeste der deutschen Hauptstadt. Auch EasterBerlin, eine der größten Fetisch-Veranstaltungen Europas, wurde bereits abgesagt.

Ähnlich äußerte sich die Hamburg Pride, die eigentlich von Mitte Juli bis Anfang August stattfinden soll. „Wir nehmen unsere Verantwortung als Veranstalter*innen sehr ernst und beziehen eine mögliche Absage selbstverständlich in unsere Überlegungen ein“, heißt es dort. Allerdings gehöre es auch zur eigenen Verantwortung, nicht über Dinge zu spekulieren, die sich aktuell nicht seriös bewerten lassen, so die Hamburger.

Zweckoptimismus in Wien, abwarten in Zürich

In Wien übt man sich mittlerweile in Zweckoptimismus. Die Vienna Pride soll von 1. bis 14. Juni stattfinden, also sieben Wochen vor dem Berliner CSD. Höhepunkt wäre die Regenbogenparade am 13. Juni. „Derzeit ist Vienna Pride nicht von den amtlichen Maßnahmen betroffen und wir sind täglich mit den österreichischen sowie internationalen Stellen in engem Austausch“, so Stonewall-Geschäftsführerin Katherina Kacerovsky.

„Wir sind froh über die aktuellen Maßnahmen Österreichs zur Eindämmung des Corona-Virus, begrüßen diese sehr, weil wir dadurch hoffen, dass die Verbreitung damit in den nächsten vier bis acht Wochen gestoppt werden kann. Bis dahin arbeiten wir weiterhin an der sicheren Umsetzung von Vienna Pride 2020“, betont die Veranstalterin.

Auch bei der eine Woche später stattfindenden Zurich Pride ist man derzeit auf Warteposition. Momentan plane man, dass die Veranstaltung am 19. und 20. Juni stattfinden könne – allerdings werde der Vorstand die Situation in den nächsten Wochen beobachten. „Bitte habe Verständnis für uns uns untereinander, dass wir alle derzeit keine klaren Antworten haben und die Situation für uns alle neu ist“, spielen die Veranstalter in einer Stellungnahme mit offenen Karten.