Mittwoch, 24. Juli 2024
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Segnung gleichgeschlechtlicher Paare: Jetzt spricht der Papst

Während der Vatikan die Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare nun ermöglicht hat, widersetzen sich zahlreiche Bischöfe, etwa aus Afrika. Kulturelle Unterschiede und traditionelle Werte prägen diesen globalen Diskurs.

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Die katholische Kirche steht vor einem neuen Kapitel ihrer Geschichte. Mit der Erklärung „Fiducia supplicans“ hat das vatikanische Glaubensdikasterium die Segnung schwuler und lesbischer Paare grundsätzlich ermöglicht. Diese Entscheidung stellt eine grundlegende Verschiebung in der Haltung der Kirche zu gleichgeschlechtlichen Verbindungen dar.

Besonders Bischöfe in Afrika haben sie zum Teil heftig kritisiert: Eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare würde „gegen Gottes Gesetz, die Gesetze unseres Landes, die Lehren der Kirche und das kulturelle Empfinden unseres Volkes gehen“, heißt es in einer Erklärung des Vorsitzenden der nigerianischen Bischofskonferenz.

Widerstand kommt von „kleinen ideologischen Gruppen“

Nun hat sich der Heilige Vater selbst zu diesem Thema geäußert. „Diese, die vehement protestieren, gehören zu kleinen ideologischen Gruppen“, sagte Papst Franziskus in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung La Stampa , das am Montag veröffentlicht wurde. 

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Eine Ausnahme davon seien aber die Bischöfe in Afrika. Diese bezeichnete er als“speziellen Fall“, da Homosexualität in vielen Teilen Afrikas als „schlecht“ angesehen wird und dort nicht toleriert werde.

In Afrika sieht Papst Franziskus die Situation anders

In Afrika, wo Homosexualität in vielen Ländern illegal ist und teilweise mit extrem strengen Strafen belegt wird, haben die Bischöfe eine starke Opposition gegen die neue Richtlinie des Vatikans gezeigt. In einem im Jänner veröffentlichten Brief des gesamt-afrikanischen Bischofsrats SECAM lehnen sie die neuen Richtlinien ab und betonten, dass solche Verbindungen „im Widerspruch zum Willen Gottes“ stünden.

Widerspruch davon gibt es allerdings im Norden des Kontinents: Die Bischöfe der Nordafrikanischen Bischofskonferenz CERNA zeigen sich gesprächsbereit und fordern, das Thema im Rahmen der laufenden Weltsynode erneut zu beraten.

Widerstand auch aus Kasachstan

Während die neuen Richtlinien des Vatikans von Bischöfen in zahlreichen europäischen Ländern wie Frankreich, Österreich und Deutschland stark unterstützt werden, haben mittlerweile römisch-katholische Bischöfe in Zentralasien ebenfalls einen Rückzieher gefordert. 

Die kasachischen Bischöfe Tomash Peta und Athanasius Schneider bezeichneten Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare als Widerspruch zur langjährigen Praxis und Lehre der katholischen Kirche und forderten Papst Franziskus auf, die Erlaubnis für solche Segnungen zurückzuziehen.

„Die Segnung von Paaren in einer irregulären Situation und von gleichgeschlechtlichen Paaren ist ein schwerer Missbrauch des heiligsten Namens Gottes“, schreiben sie. Nur durch einen Widerruf dieser Regelung könne die Kirche wieder „klar als Säule und Fundament der Wahrheit leuchten“.

Franziskus nicht besorgt über eine Spaltung der Kirche

Trotz der Kontroversen betonte Papst Franziskus, dass er nicht besorgt über das Risiko eines Bruchs konservativer Gruppen mit der katholischen Kirche sei. Er sieht die Diskussionen als von „kleinen Gruppen“ angeführt und betont die Notwendigkeit, sich auf die Zukunft zu konzentrieren und voranzuschreiten.

Die jüngsten Entwicklungen rund um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare durch die katholische Kirche werfen grundlegende Fragen über die Rolle der Kirche in einer sich verändernden Welt auf.

Während einige Teile der Kirche diesen Schritt als Fortschritt in Richtung Inklusion und Akzeptanz sehen, bleiben andere fest in traditionellen Werten und Lehren verankert. Dieser Widerspruch spiegelt nicht nur die Vielfalt der katholischen Gemeinschaft weltweit wider, sondern zeigt auch die Herausforderungen auf, mit denen die Kirche konfrontiert ist, wenn sie versucht, ihre Lehren mit den sich verändernden gesellschaftlichen Normen in Einklang zu bringen.