Regenbogenkiez ist einer der Kriminalitäts-Hotspots in Berlin

Zahl der Verbrechen rund um den Nollendorfplatz ist deutlich höher als im Durchschnitt

Berlin: Nollendorfplatz
Standardizer/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

In Berlin hat die Polizei auf Anordnung des Senats zum ersten Mal ihre bis jetzt geheime Liste der „kriminalitätsbelasteten Orte“ veröffentlicht. Zu den zehn gefährlichsten Orten der deutschen Hauptstadt gehört demnach auch „Schöneberg-Nord im Bereich Nollendorfplatz und Teile des so genannten ‚Regenbogenkiezes‘“. Auf der Liste landen Orte, in denen „Straftaten von erheblicher Bedeutung begangen werden“.

Hasskriminalität, Diebstähle, Raub, Bedrohungen

Und das ist rund um den Nollendorfplatz offenbar der Fall: Wie die „Berliner Morgenpost“ berichtet, wurden dort zwischen Mai 2016 und März 2017 zwölf Fälle schwerer homophober Hasskriminalität angezeigt – im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres war es nur ein Fall. Außerdem kam es zu 2.276 Diebstählen, 167 Sachbeschädigungen, 113 Beleidigungen, 70 Raubtaten und 38 Bedrohungen.

Die Dunkelziffer dürfte auch hier deutlich höher sein. Für die 2.276 aktenkundigen Diebstähle in dem Viertel sind vor allem Antänzer verantwortlich. Erst Anfang Juni wurde ein schwules Paar von Antänzern verletzt, zwei der Täter konnten von Polizisten festgenommen werden. Weil es in diesem Gebiet auch viel Straßenprostitution gibt, könnte die Berliner Polizei hier auch verdachtsunabhängig kontrollieren, wenn das Areal kein „kriminalitätsbelasteter Ort“ wäre.

Polizei darf Personen dort auch ohne konkreten Grund durchsuchen

Die Einstufung als „kriminalitätsbelasteter Ort“ soll vor allem der Verbrechensvorbeugung dienen, betont die Berliner Polizei. Nach dem Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetz dürfen die Beamten dort Personen durchsuchen und ihre Identität feststellen, ohne dass es einen konkreten Anlass dafür gibt.

Die Liste dieser Orte wird regelmäßig überprüft und den Gegebenheiten ständig angepasst, so die Polizei. Bis jetzt hatte es die Behörde stets abgelehnt, die Liste zu veröffentlichen. Die Polizei befürchtete, dass sie dadurch im Kampf gegen Kriminelle taktische Nachteile haben könnte.

Auch der Tiergarten und das Kottbusser Tor sind Kriminalitäts-Hotspots

Der „Regenbogenkiez“ ist übrigens nicht der einzige kriminalitätsbelastete Ort, an dem sich die Community gerne trifft: So ist der als Cruising-Gebiet bekannte Tiergarten genauso auf der Liste zu finden wie die Gegend um das Kottbusser Tor, in der die Szenebars „Möbel Olfe“ und „Südblock“ zu finden sind.

Auf der Liste finden sich auch andere Orte, an denen es in letzter Zeit zu homophoben Übergriffen gekommen ist: So ist dort der Alexanderplatz zu finden, auf dem zuletzt im März eine Lesbe krankenhausreif geprügelt wurde. Auch der Hermannplatz in Neukölln gilt als kriminalitätsbelastet. Dort ist Ende Mai ein schwuler Syrer wegen seiner sexuellen Orientierung und seiner Religion von einer Familie attackiert und verletzt worden.