Zehn Monate Verspätung: Rotes Kreuz erlaubt schwulen Männern Blutspende

Alte Regelung hat gegen EU-Recht verstoßen - und blieb trotzdem noch fünf Jahre gültig

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Zehn Monate, nachdem das Gesundheitsministerium schwulen und bisexuellen Männern die Blutspende erlaubt hat, setzt nun auch das Rote Kreuz die neue Richtlinie um. Die Politik ist allerdings mittlerweile schon einen Schritt weiter. 

Nun übernimmt auch das Rote Kreuz die Blutspende-Richtlinien des Ministeriums

Bis jetzt waren Männer, die mindestens einmal in ihrem Leben Sex mit einem Mann gehabt haben, beim Roten Kreuz lebenslang von der Blutspende ausgeschlossen. Das ändert sich ab 1. September. “Es wird die Rückstellfrist verkürzt auf zwölf Monate nach dem letzten MSM-Kontakt”, so Ursula Freisl, Leiterin des Rot-Kreuz-Blutspendedienstes, gegenüber dem ORF Steiermark

Ausschlaggebend für die neue Regelung seien nach Angaben des Roten Kreuzes die Erfahrungen mit PCR-Tests, mit denen das HI-Virus selbst nachgewiesen kann – schneller als mit den bisher verwendeten Antikörper-Tests. 

Das Rote Kreuz lobt sich für einen Fortschritt, der eigentlich nur geltendes Recht umsetzt

Allerdings: In anderen Ländern gibt es eine solche Rückstellfrist für schwule und bisexuelle Männer überhaupt nicht mehr, darunter Ungarn, Bulgarien, Italien, Lettland, Polen, Portugal und Spanien. Außerdem hat der Europäische Gerichtshof bereits 2015 festgestellt, dass ein generelles Blutspendeverbot von schwulen und bisexuellen Männern gegen Unionsrecht verstößt. 

Dort geht es nicht um Risikogruppen, sondern um Risikoverhalten: Wer keine wechselnden Sexualpartner hat, darf Blut spenden, wer mit vielen unterschiedlichen Menschen Sex hat, darf nicht spenden, unabhängig von der sexuellen Orientierung. Das heißt, dort könnten auch schwule Männer in einer monogamen Beziehung mit ihrer Spende Leben retten. 

Unsicherer dürfte die Blutspende in diesen Ländern auch nicht sein, schließlich importiert das Rote Kreuz bei Engpässen auch aus diesen Ländern Blutkonserven. Und auch in Österreich spielt das Risikoverhalten erstmals eine Rolle. „Da wird es so sein, dass, wenn man mehr als drei Sexualpartner in zwölf Monaten hatte, man ebenfalls zwölf Monate zurückgestellt wird“, so Freisl. 

SPÖ und Neos geht dieser kleine Schritt nicht weit genug

In der Innenpolitik ist man allerdings schon einen Schritt weiter als das Rote Kreuz. SPÖ und Neos haben im Nationalrat Anträge eingebracht, die Blutspende auch in Österreich diskriminierungsfrei zu gestalten. Entsprechende Petitionen wurden von mehr als 3.000 Bürgerinnen und Bürgern unterschrieben.  

In der Regierungskoalition gibt man sich abwartend. ÖVP und Grüne haben die Einrichtung einer eigenen Arbeitsgruppe zu diesem Thema im Gesundheitsministerium beschlossen. “Wir brauchen nicht die zehnte Arbeitsgruppe und aufschiebende Anträge – wir brauchen Lösungen”, ärgert das die SPÖ-Politiker Gabriele Heinisch-Hosek und Mario Lindner.