Bischof Küng: Keine Konsequenzen nach Missbrauchsvorwurf

Stattdessen gibt es einen Maulkorb für den Mann, der den Fall ins Rollen gebracht hat

Klaus Küng
Diözese St. Pölten

Neue Entwicklungen gibt es im Fall von Wolfgang Rothe, dem ehemaligen Vize-Chef des St. Pöltner Priesterseminars. Der heute 53-jährige Priester hatte 2019 den früheren Bischof Klaus Küng wegen sexueller Übergriffe angezeigt – doch der Vatikan hat entschieden, dass die Vorwürfe „haltlos“ seien. Nun muss Rothe Konsequenzen fürchten. Für den emeritierten Bischof gilt die Unschuldsvermutung.

Nach einem Sex-Skandal im Priesterseminar sollte Küng „aufräumen“

Küng, Mitglied des ultrakonservativen Opus Dei, war 2004 Bischof von Feldkirch. Da wurde er zum Apostolischen Visitator der Diözese St. Pölten bestellt, um Ordnung in das Priesterseminar zu bringen. Dieses war wegen mutmaßlicher schwuler Exzesse und Kinderpornografie in Verruf geraten.  In dieser Funktion feuerte er auch den damaligen Subregens Wolfgang Rothe, den er für die Zustände im Priesterseminar mit verantwortlich gemacht hat, aus seiner Funktion und schickte ihn in eine Auszeit. 

Nachdem Küng Rothe diese Entscheidung mitgeteilt hatte, soll dieser einen Schwächeanfall erlitten haben. Daraufhin ließ der Bischof den Priester auf einem Sofa ausrasten. Küng, der Medizin studiert hat, gab Rothe ein leichtes Beruhigungsmittel. Dann soll er, wie der Geistliche berichtet, alle anderen Personen aus dem Raum geschickt haben.

Küng soll „sehr erregt“ gewesen sein, sagt der Priester heute

Anschließend soll Küng begonnen haben, Rothe am Rücken und im Gesäßbereich zu streicheln, dabei soll er „sehr erregt“ gewesen sein, wie Opfer-Plattform „Betroffener Kirchlicher Gewalt“ bereits vor einem Jahr berichtet hat. Küng selbst weist diese Anschuldigung entschieden zurück.

„Weitere anwesende Personen können die Stunden mit Bischof Küng zudem bezeugen“, erklärte damals die Mediensprecherin der Diözese, Katharina Brandner. Sie betonte damals auch, dass der gesamte Vorfall wiederholt durch die Polizei geprüft worden war und das entsprechende Verfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt wurde.

Schönborn soll die Vorwürfe „mit langer Verzögerung“ nach Rom weitergeleitet haben

Rothe hat eigenen Angaben zufolge 2018, fünfzehn Jahre nach dem Vorfall, den Wiener Erzbischof Christoph Schönborn über den Vorfall informiert.  Dies bestätigte der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Michael Prüller, letztes Jahr gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur Kathpress.

Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) jetzt allerdings berichtet, hat Schönborn Rothes Anzeige allerdings erst „mit langer Verzögerung“ nach Rom weitergeleitet. Im April 2020 erhält Rothe schließlich einen knappen Brief vom aktuellen St. Pöltener Bischof Alois Schwarz. Die Bischofskongregation in Rom sei „nach eingehendem Studium zu der Überzeugung gelangt“, dass die Vorwürfe gegen Küng „haltlos sind und darum zu den Akten gelegt werden“ könnten. Auf Nachfragen der SZ reagierte der Vatikan nicht.

Nun könnte es Konsequenzen für Rothe geben

Strafrechtlich wurde der Vorwurf gegen den Bischof trotz entsprechender Ermittlungen der Behörden nicht geklärt. Die Staatsanwaltschaft St. Pölten stellte das Verfahren im Mai 2019 wegen Verjährung ein.

Bischof Schwarz ging noch einen Schritt weiter: Er verwarnte Rothe kirchenrechtlich und ermahnte den Priester, seine Vorwürfe „ab sofort nicht weiterhin in der Öffentlichkeit aufrecht zu erhalten oder zu verbreiten“. Sonst drohten Konsequenzen. Gegenüber der SZ blockte das Bistum ab: „Bischof Klaus Küng hat sich in der Sache umfassend geäußert und wird sich zu diesen Vorwürfen nicht weiter äußern.“

Küng warnte vor „homosexuellen Netzwerken“ unter Priestern

Während seiner Amtszeit hat der heute 80-jährige Küng immer wieder gegen die Öffnung der Ehe gewettert. Anlässlich der Einführung von Eingetragenen Partnerschaften in Österreich bezeichnete er im Juni 2008 das Ja-Wort vor dem Standesamt als „irreführendes Zeichen“.

Im Jahr 2010 warnte Küng vor „homosexuellen Netzweken“, die „ein Kloster oder eine Diözese sogar existenziell bedrohen“ könnten. Denn dort bilde sich eine Atmosphäre, „die ganz bestimmte Personen anzieht, andere dagegen abstößt – zum großen Schaden der Seelsorge“, so der Bischof damals.

Die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare sei „kurzsichtig mit Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung“, so Küng im September 2017. Diese war für den damaligen Familienbischof Küng nur ein „Trend“, der „in den letzten Jahren unglaublich schnell angewachsen“ sei.